Kniearthrose - Gonarthrose
Wenn der Knorpel im Kniegelenk leidet
Die Kniearthrose – medizinisch Gonarthrose – ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der es zu einem fortschreitenden Abbau des hyalinen Gelenkknorpels im Kniegelenk kommt. Der Knorpel verliert dabei seine glatte, stoßdämpfende Struktur, wodurch die Gleitfähigkeit der Gelenkflächen abnimmt.
Im weiteren Verlauf entstehen reaktive Veränderungen des subchondralen Knochens, Osteophytenbildung und eine zunehmende Gelenkinstabilität. Klinisch äußert sich die Erkrankung durch belastungsabhängige Schmerzen, Bewegungseinschränkung und funktionelle Beeinträchtigung – im Endstadium auch in Ruhe und nachts.
Das Team der Sportklinik Freiburg führt jährlich über 200 Implantationen von Knieprothesen durch – sowohl Teilprothesen (Schlittenprothesen) als auch vollständige Kniegelenksendoprothesen. Durch diese hohe Fallzahl besteht eine besondere Expertise in der individuellen Auswahl und präzisen Durchführung der Versorgung – sowohl bei aktiven Patient:innen als auch bei älteren Menschen mit fortgeschrittener Arthrose.
Was passiert bei einer Arthrose im Knie?
Definition
Die Kniearthrose, medizinisch Gonarthrose, ist eine chronisch-degenerative Erkrankung des Kniegelenks, bei der es zu einem fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels kommt. Der hyaline Knorpel, der als stoßdämpfende Gleitfläche auf den Gelenkflächen von Oberschenkelknochen (Femur), Schienbein (Tibia) und Kniescheibe (Patella) dient, verliert dabei an Elastizität und Dicke.
Im weiteren Verlauf reiben die freiliegenden Knochenenden aufeinander, was zu Schmerzen, Entzündungsreaktionen, Kapselveränderungen, knöchernen Anbauten (Osteophyten) und einer Veränderung der gesamten Gelenkarchitektur führen kann. Es handelt sich dabei um einen irreversiblen Prozess, der jedoch durch gezielte Maßnahmen in seinem Fortschreiten verlangsamt oder symptomatisch effektiv behandelt werden kann.
Ursachen
Die Entstehung einer Kniearthrose (Gonarthrose) ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Grundsätzlich wird zwischen primärer (idiopathischer) und sekundärer Arthrose unterschieden. Bei der primären Kniearthrose handelt es sich um einen altersbedingten, „natürlichen“ Verschleißprozess des Gelenkknorpels ohne erkennbare direkte Auslöser. Häufig liegt eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche oder eine altersabhängige Abnahme der Knorpelregeneration zugrunde. Diese Form tritt meist ab dem mittleren Lebensalter auf und entwickelt sich schleichend über Jahre.
Die sekundäre Kniearthrose entsteht als Folge klar identifizierbarer Ursachen. Zu den häufigsten Auslösern zählen:
- Fehlstellungen der Beinachse, etwa X- oder O-Beine, die zu einer ungleichmäßigen Druckverteilung im Kniegelenk führen
- Verletzungsfolgen, beispielsweise nach Kreuzbandriss, Meniskusschäden oder Gelenkbrüchen, die die mechanische Stabilität und Gelenkführung beeinträchtigen
- Chronische Instabilitäten, etwa durch wiederholte Umknicktraumata oder nicht vollständig ausgeheilte Bänderverletzungen
- Übergewicht (Adipositas), das die Belastung auf das Kniegelenk deutlich erhöht und den Knorpel schneller verschleißen lässt
- Berufliche oder sportliche Dauerbelastung, etwa durch häufiges Knien, schweres Heben oder intensiven Laufsport
- Entzündliche Gelenkerkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, die den Knorpel auch ohne mechanische Belastung schädigen können
- Fehlstellungen der Kniescheibe oder andere angeborene anatomische Besonderheiten
Oft wirken mehrere dieser Faktoren gleichzeitig. Je früher die ursächlichen Belastungen erkannt und behandelt werden, desto besser kann das Fortschreiten der Arthrose verlangsamt oder sogar gestoppt werden.
Schweregrade der Kniearthrose (Kellgren-Lawrence-Klassifikation)
Zur Einteilung des Schweregrads der Arthrose wird häufig die radiologische Kellgren-und-Lawrence-Klassifikation verwendet. Sie basiert auf typischen Röntgenmerkmalen.
Radiologischer Schweregrad nach Kellgren & Lawrence
- Grad 0: Kein Anhalt für Arthrose – normales Röntgenbild ohne knöcherne Veränderungen.
- Grad 1: Sehr geringe, fragliche Verschmälerung des Gelenkspalts, minimale Osteophytenbildung möglich – häufig symptomlos.
- Grad 2: Frühform – deutliche Osteophytenbildung, mögliche Gelenkspaltverschmälerung – erste klinische Symptome wie Belastungsschmerzen.
- Grad 3: Fortgeschrittene Arthrose mit klarer Gelenkspaltverschmälerung, deutlichen Osteophyten und beginnender Deformierung des Knochens – Schmerzen auch in Ruhephasen möglich.
- Grad 4: Endstadium – vollständiger Knorpelverlust, starke Sklerosierung, große Osteophyten, Gelenkdeformierung – massive Schmerzen, starke Einschränkung der Beweglichkeit.
Heilungspotential – Was ist möglich?
Die Kniearthrose (Gonarthrose) ist eine chronisch-degenerative Erkrankung, bei der der Gelenkknorpel irreversibel geschädigt wird. Ein vollständiges "Heilen" im Sinne einer Rückbildung der strukturellen Schäden ist nicht möglich – jedoch kann das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamt und die Lebensqualität spürbar verbessert werden.
Frühstadien
Bei beginnender Arthrose kann durch gezielte Maßnahmen (z. B. Gewichtsreduktion, Physiotherapie, gelenkschonender Sport, Hyaluron-Injektionen) eine weitgehende Beschwerdefreiheit erzielt werden – oft über Jahre hinweg.
Mittelschwere Stadien
Auch bei moderater Arthrose ist häufig eine Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung möglich. Konservative Therapien und minimalinvasive Eingriffe (z. B. Knorpelglättung, Mikrofrakturierung) können die Gelenkfunktion erhalten.
Spätstadien
Ist der Knorpel vollständig abgebaut und bestehen starke Bewegungseinschränkungen oder Dauerschmerzen, stellt der Gelenkersatz (Teil- oder Vollprothese) eine effektive Möglichkeit dar, Mobilität und Schmerzfreiheit zurückzugewinnen.
Ziel der Therapie
Ziel der Behandlung ist nicht die vollständige Wiederherstellung des geschädigten Knorpels, sondern die effektive Schmerzkontrolle, der Erhalt der Gelenkfunktion, die möglichst lange Vermeidung operativer Eingriffe und die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.
Symptome
Die Beschwerden bei Kniearthrose (Gonarthrose) entwickeln sich meist schleichend und verstärken sich im Verlauf.
Belastungsschmerzen
Zunächst nur bei längerer Aktivität (z. B. beim Treppensteigen oder Gehen), später auch in Ruhe.
Anlaufschmerzen
Schmerzen nach Ruhephasen (z. B. morgens oder nach langem Sitzen), die sich mit Bewegung bessern
Bewegungseinschränkung
Bewegungseinschränkung: Schwierigkeiten beim vollständigen Strecken oder Beugen des Knies.
Das Kniegelenk im Detail
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Behandlungsmöglichkeiten bei Kniearthrose
Die Therapie der Kniearthrose richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung, dem Leidensdruck der Patient:innen sowie deren Alter, Aktivitätsniveau und Begleiterkrankungen. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Gelenkfunktion zu erhalten und eine möglichst lange konservative Therapie zu ermöglichen – bevor ein operativer Eingriff notwendig wird.
Therapieoptionen
Konservativ und operativ – wir finden den passenden Weg
Körperliche Aktivität
Gelenkschonender Sport (z. B. Radfahren, Schwimmen, Aquagymnastik) erhält die Beweglichkeit, fördert die Knorpelversorgung und reduziert Entzündungsprozesse.
Gewichtsreduktion
Jedes verlorene Kilogramm Körpergewicht reduziert die Belastung auf das Kniegelenk erheblich (4- bis 6-fache Kraftübertragung beim Gehen!).
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
Ibuprofen oder Diclofenac zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung – oral oder lokal als Gel.
Röntgenreizbestrahlung
Die Röntgenreizbestrahlung ist ein bewährtes, nicht-invasives Verfahren zur Behandlung chronisch-entzündlicher und schmerzhafter Gelenkerkrankungen – insbesondere bei Kniearthrose. Dabei wird das betroffene Gelenk mit sehr niedrig dosierter Röntgenstrahlung (keine diagnostische Bildgebung!) behandelt.
Eigenblutbehandlung PRP-Therapie
Die PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma, plättchenreiches Plasma) ist ein modernes, biologisches Behandlungsverfahren zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung bei frühen bis mittleren Stadien der Kniearthrose. Ziel ist es, mit Hilfe körpereigener Heilfaktoren die Entzündung zu hemmen, den Knorpelstoffwechsel zu fördern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
Hyaluronsäure-Injektionen
Verbesserung der Gelenkschmierung und Stoßdämpfung, v. a. bei leichter bis mittelschwerer Arthrose – Wirkung wissenschaftlich umstritten, aber oft symptomatisch hilfreich.
Orthopädietechnische Hilfsmittel
Orthopädietechnische Hilfsmittel wie individuell angepasste Einlagen, entlastende Knieorthesen und stabilisierende Bandagen können je nach Fehlstatik und Arthroseausprägung gezielt zur Druckumverteilung, Gelenkentlastung und Verbesserung der Stabilität beitragen.
Physiotherapie
Physiotherapie und physikalische Maßnahmen zielen auf die Kräftigung der stützenden Muskulatur, die Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit und eine gezielte Schmerzreduktion durch manuelle Techniken, Dehnübungen sowie ergänzende Anwendungen wie Elektro-, Ultraschall- oder Wärmetherapie ab.
Knorpelreparative Therapie
Mikrofrakturierung: Anbohrung des subchondralen Knochens zur Förderung von Ersatzknorpelbildung.
Autologe Chondrozytentransplantation (ACT): Zweizeitiges Verfahren mit Knorpelzellzüchtung im Labor und anschließender Transplantation.
OATS (Osteochondral Autograft Transfer System): Transplantation von Knorpel-Knochen-Zylindern aus unbelasteten Gelenkzonen.
Umstellungsosteotomie
Bei Beinachsenfehlstellung (X- oder O-Bein) kann durch gezielte Korrektur der Beinachse (z. B. valgisierende Tibiakopfumstellung bei medialer Arthrose) die Belastung im betroffenen Gelenkkompartiment verringert werden. Besonders geeignet für jüngere, aktive Patient:innen mit isolierter einseitiger Arthrose.
Teilprothese (unikompartimentelle Schlittenprothese)
Bei isolierter Arthrose ersetzt sie lediglich das betroffene Kompartiment – meist die mediale Seite – und erhält dabei Kreuzbänder sowie die natürliche Gelenkkinematik, vorausgesetzt die Bandführung ist stabil.
Totalendoprothese (Knie-TEP)
Sie ersetzt alle drei Gelenkanteile – innen (medial), außen (lateral) und hinter der Kniescheibe (femoropatellar) – und wird je nach Bandstabilität als kreuzbanderhaltendes, kreuzbandersetzendes oder achsgeführtes Modell gewählt.
Unsere Knie-Experten
Erfahrene Spezialisten für Kniearthrose und Kniechirurgie
Prof. Dr. med. Gerrit Bode
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Zusatzbezeichnung spezielle Unfallchirurgie
Prof. Dr. med. Matthias Feucht
Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin
Dr. med. Friedrich Quarck
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Dr. med. Ralph Mayer
Facharzt für Orthopädie, spezielle orthopädische Chirurgie