SPRUNGGELENKPROTHESE
- Methode
- Zementfreier Ersatz der Gelenkflächen durch drei Bauteile
- Dauer
- 60 bis 90 Minuten
- Erholungszeit
- 3 bis 6 Monate
Bei fortgeschrittener Arthrose des oberen Sprunggelenks sind die Knorpelflächen zwischen Schienbein und Sprungbein aufgebraucht. Die Prothese ersetzt genau diese beiden Flächen – und lässt alles andere, was den Fuß trägt und führt, an seinem Platz.
Der Unterschied zur Versteifung liegt in einem Wort: Beweglichkeit. Der Fuß rollt weiter ab, das Gangbild bleibt dem eigenen ähnlich, und die Nachbargelenke müssen nicht auf Dauer ausgleichen, was oben fehlt.
Der Eingriff ist seltener und technisch anspruchsvoller als Hüfte oder Knie – in Deutschland werden im Jahr etwa 1.500 Sprunggelenkprothesen eingesetzt, gegenüber Hunderttausenden an Hüfte und Knie. Die Erfahrung des Operateurs wirkt sich hier deutlicher auf das Ergebnis aus als bei den großen Gelenken.
Wie die Prothese aufgebaut ist
Wir verwenden das Infinity System mit Adaptis-Technologie von Stryker. Es besteht aus drei Teilen, die nachbilden, was das Gelenk vorher selbst konnte: eine feste Auflage oben, eine gerundete Rolle unten und dazwischen eine Fläche, die gleitet.
- Die Schienbeinschiene aus einer Titanlegierung deckt die untere Fläche des Schienbeins ab.
- Das Talusdach aus Kobalt-Chrom sitzt gerundet auf dem Sprungbein und übernimmt dessen Rolle.
- Das Gleitlager aus hochvernetztem Polyethylen sitzt fest in der Schiene. Angeboten wird es in acht Größen mit je vier Stärken – damit lässt sich die Höhe des Gelenks genau einstellen.
Verankert wird ohne Knochenzement. Schiene und Talusdach werden im 3D-Druck Schicht für Schicht aus Metallpulver aufgebaut. Dabei entsteht an der Unterseite eine poröse, schwammartige Struktur, die nicht aufgetragen ist, sondern zum Bauteil gehört. In sie wächst der Knochen ein – das Gelenk hält durch eine biologische Verbindung, nicht durch Klebstoff. Diese zementfreie Verankerung war der Schritt, der die Sprunggelenkprothese aus ihren schwierigen Anfängen geholt hat.
Ablauf der Operation
Der Zugang liegt vorn über dem Sprunggelenk, in der Lücke zwischen der Sehne des vorderen Schienbeinmuskels und der Strecksehne der großen Zehe. Nerv und Schlagader, die dort verlaufen, werden dargestellt und zur Seite gehalten. Die zerstörten Flächen an Schienbein und Sprungbein werden sparsam abgetragen – so wenig Knochen wie möglich, weil jeder Millimeter zählt, falls später einmal gewechselt werden muss. Führungsinstrumente sorgen dafür, dass die Schnitte in der richtigen Achse liegen.
Die Größe der Bauteile wird mit Probeimplantaten bestimmt und unter Durchleuchtung geprüft, bevor die endgültige Prothese eingebracht wird.
Ebenso wichtig ist, was um die Prothese herum gerade gestellt wird. Eine schiefe Ferse, eine verkürzte Wade oder ein instabiles Außenband brächten das Kunstgelenk sonst in dieselbe einseitige Belastung, die das eigene Gelenk aufgebraucht hat.
Deshalb gehören Korrekturen dazu: das Verlängern der Achillessehne, das Aufrichten des Rückfußes, das Straffen oder Ersetzen von Bändern. Was nötig ist, planen wir vorher anhand von Röntgenbildern im Stehen, bei Bedarf ergänzt durch eine Kernspinuntersuchung.
Voraussetzungen und Grenzen
Was die Prothese braucht
Damit sie sicher einwächst und trägt, müssen einige Dinge zusammenkommen:
- Tragfähiger Knochen, vor allem am Sprungbein
- Keine ausgeprägte Osteoporose im Gelenkbereich
- Stabile Bänder und eine Achse, die sich gerade stellen lässt
- Gute Durchblutung und eine Haut, die zuverlässig heilt
- Eine ausgeheilte Infektion muss mindestens ein Jahr zurückliegen
- Ein sicheres Gleichgewicht und die Fähigkeit, Entlastung einzuhalten
Wann wir davon abraten
In diesen Fällen ist die Versteifung der sichere Weg – keine schlechtere Lösung, sondern eine andere:
- Ein bestehender Infekt am Knochen oder im Gelenk
- Ausgedehntes Absterben des Sprungbeins
- Eine Fehlstellung der Achse von mehr als 20 Grad
- Bandinstabilität, die sich nicht korrigieren lässt
- Der Charcot-Fuß und andere Gelenkzerstörungen durch Nervenschäden
- Zerstörende Verlaufsformen entzündlicher Gelenkerkrankungen
- Nicht abgeschlossenes Wachstum
- Eine Nachbehandlung, die sich nicht einhalten lässt
Eine fehlgeschlagene Voroperation am Sprunggelenk schließt die Prothese dagegen nicht aus – das System ist für diesen Fall ausdrücklich zugelassen. Ob es trägt, entscheidet der Knochen, nicht die Vorgeschichte.
Prothese oder Versteifung
Das ist die eigentliche Entscheidung, und sie fällt nicht am Röntgenbild, sondern im Gespräch. Beide Verfahren nehmen den Schmerz zuverlässig. Sie unterscheiden sich in dem, was sie dafür verlangen.
| Prothese | Versteifung | |
|---|---|---|
| Beweglichkeit | bleibt erhalten | geht dauerhaft verloren |
| Gangbild | nahe am eigenen | verändert, die Nachbargelenke gleichen aus |
| Nachbargelenke | werden geschont | werden über die Jahre stärker belastet |
| Nachbehandlung | kürzer, ohne langen Gips | länger, bis der Knochen durchbaut ist |
| Haltbarkeit | 89 % nach 5 Jahren, 76 % nach 10 Jahren | hält in der Regel dauerhaft |
| Wenn es nicht hält | Wechsel der Bauteile oder Versteifung | erneute Versteifung |
Die Zahlen zur Haltbarkeit sind ehrlich gemeint: Eine Sprunggelenkprothese erreicht nicht die Standzeiten einer Hüft- oder Knieprothese. Deshalb raten wir jungen und körperlich stark belasteten Menschen eher zur Versteifung – und älteren, bei denen die Beweglichkeit über den Alltag entscheidet, eher zur Prothese.
Welche Risiken es gibt
Der Zugang liegt vorn, wo die Haut dünn ist und wenig Weichteilpolster darunter liegt. Das erklärt die häufigsten Probleme:
- Wundheilungsstörungen – die Haut über dem Sprunggelenk ist empfindlich. Selten sind zusätzliche plastisch-chirurgische Eingriffe nötig.
- Bruch des Innen- oder Außenknöchels während der Operation. Er wird dann mit verschraubt und heilt mit.
- Lockerung einzelner Bauteile – der häufigste Grund für einen späteren Wechsel.
- Fortbestehende Schmerzen oder eine Beweglichkeit, die hinter den Erwartungen zurückbleibt.
- Infekt – selten, aber die Komplikation mit den größten Folgen.
Wir sagen das so deutlich, weil die Entscheidung für oder gegen eine Prothese davon abhängt. Wer weiß, worauf er sich einlässt, trifft sie besser.
Nachbehandlung nach der Sprunggelenkprothese
Das Tempo gibt die Schwellung vor, nicht der Kalender. Die Beweglichkeit, die nach einem halben Jahr da ist, entscheidet über das Ergebnis – deshalb wird von Anfang an daran gearbeitet.
Phase I (0–2 Wochen): Wundheilung
- Stationärer Aufenthalt von etwa fünf bis sieben Tagen
- Aufstehen mit Hilfe am Tag nach der Operation, ab dem zweiten Tag erste Gehübungen
- Der Fuß steckt in einer abnehmbaren Schiene, Teilbelastung mit etwa 20 Kilogramm
- Lymphdrainage und konsequentes Hochlagern – die Schwellung bestimmt alles Weitere
- Fadenzug um den zwölften Tag
Phase II (2–6 Wochen): Bewegen ohne zu belasten
- Weiter Teilbelastung an Unterarmgehstützen, die Schiene bleibt
- Heben und Senken des Fußes wird früh geübt, teils mit der Motorschiene
- Physiotherapie stationär oder ambulant, je nach Verlauf
- Röntgenkontrolle nach sechs Wochen, danach darf die Schiene weg
Ab Woche 6: Vollbelastung, Alltag und Sport
- Übergang in den festen Konfektionsschuh, die Gehstützen werden abgebaut
- Die Rehabilitation dauert insgesamt etwa zwölf Wochen
- Radfahren und Schwimmen nach etwa drei Monaten, Wandern nach Absprache
- Normale Schuhe sind problemlos, hohe Absätze nicht
- Röntgenkontrollen nach 6 und 12 Wochen, nach 6 Monaten und danach jährlich
Unsere Sprunggelenk-Experten
Erfahrene Spezialisten für die Endoprothetik des oberen Sprunggelenks