STABILISIERUNG BEIM CHARCOT-FUSS
- Methode
- Wiederaufbau und Versteifung des eingebrochenen Fußskeletts
- Dauer
- 90 bis 180 Minuten
- Erholungszeit
- 6 bis 12 Monate
Beim Charcot-Fuß – medizinisch: diabetische Neuroosteoarthropathie – brechen Knochen und Gelenke des Fußes ein, ohne dass es weh tut. Das Fußgewölbe sinkt zusammen, im schweren Fall kippt die Sohle nach unten durch. Aus dem Gewölbe wird ein Schaukelfuß, dessen tiefster Punkt in der Mitte liegt – genau dort, wo keine Haut für so viel Druck gemacht ist.
In der akuten Phase wird der Fuß zunächst konsequent entlastet, meist über Monate im Vollkontaktgips. Erst wenn der Knochen zur Ruhe gekommen ist, stellt sich die Frage nach einer Operation – und sie stellt sich dann, wenn die Fehlstellung so ausgeprägt ist, dass kein Schuh mehr passt, der Fuß instabil bleibt oder immer wieder Wunden entstehen.
Ablauf der Operation
Ziel ist ein Fuß, der wieder plantigrad steht – also flach und gleichmäßig auf dem Boden. Dafür werden die eingebrochenen Gelenke ausgeräumt, die Fußsäulen wieder ausgerichtet und in der neuen Stellung versteift. Die Versteifung reicht bewusst über die zerstörte Zone hinaus und fasst im gesunden Knochen; wo die Weichteile sonst unter Spannung stünden, wird der Knochen ein Stück gekürzt.
Fast immer gehört eine Verlängerung der Achillessehne dazu. Eine verkürzte Wade zieht die Ferse hoch und presst den Vorfuß auf den Boden – genau die Kraft, die das Gewölbe hat einbrechen lassen. Bleibt sie, arbeitet sie gegen die Korrektur.
Gehalten wird der Fuß von innen. Die kräftigere Schraube trägt die innere Säule: Sie beginnt am Köpfchen des ersten Mittelfußknochens und läuft nach hinten durch Keilbein und Kahnbein bis ins Sprungbein. Das Fußlängsgewölbe wird dabei regelrecht wieder aufgefädelt. Eine schlankere Schraube hält die äußere Säule.
Wir verwenden dafür das TWIN-CF System, das eigens für den Charcot-Fuß entwickelt wurde. Das sind keine gewöhnlichen langen Schrauben: Sie tragen zwei Gewinde mit unterschiedlicher Steigung. Das vordere greift schneller als das hintere, und so zieht die Schraube die Knochenenden schon beim Eindrehen zusammen. Die Gewinde sind aufgeraut, damit der Knochen an ihnen anwächst; das Material ist Titan.
Gesetzt wird jede Schraube über einen Führungsdraht und unter Durchleuchtung – so lässt sich der Weg durch die Knochen vorher festlegen und während des Eindrehens kontrollieren. Reicht die Zerstörung bis ins Sprunggelenk, wird der Rückfuß mitversteift.
Wann der Eingriff infrage kommt
Die Entscheidung fällt nie allein am Röntgenbild. Sie hängt daran, ob der Fuß noch schuhfähig ist, ob er stabil genug zum Gehen bleibt, ob wiederkehrende Wunden die Haut aufbrauchen – und ob Durchblutung und Infektlage einen so großen Eingriff zulassen.
Wo eine Versorgung mit Maßschuh und Orthese den Fuß erhält, bleibt es dabei. Wo sie das nicht mehr schafft, ist die Stabilisierung der Weg, die Gehfähigkeit zu erhalten – und damit die Alternative zur Amputation.
Nachbehandlung nach der Stabilisierung
Die Nachbehandlung ist lang, und daran führt kein Weg vorbei: Der Knochen eines Charcot-Fußes braucht deutlich mehr Zeit als ein gesunder. Wer zu früh belastet, verliert die Korrektur.
Phase I (0–8 Wochen): Entlastung
- Keine Belastung des operierten Fußes, Gehstützen oder Rollstuhl
- Ruhigstellung im Gips oder in der Orthese
- Engmaschige Kontrolle von Wunde und Weichteilen
- Thromboseprophylaxe nach ärztlicher Anordnung
Phase II (8 Wochen bis 6 Monate): Belastungsaufbau
- Schrittweiser Belastungsaufbau nach Röntgenkontrolle
- Das Metall bleibt im Fuß – heraus kommt es nur, wenn es Beschwerden macht
- Anpassung einer maßgefertigten Unterschenkelorthese
- Physiotherapie: Gangschulung, Kräftigung, Gleichgewicht
Ab Monat 6: Dauerversorgung
- Übergang in orthopädische Maßschuhe, oft mit Innenschuh
- Weiterhin tägliche Sichtkontrolle des Fußes
- Regelmäßige Verlaufskontrollen – der Charcot-Fuß bleibt eine Erkrankung auf Lebenszeit
- Eine Kernspinuntersuchung ist mit den Schrauben möglich – sagen Sie der Radiologie vorher Bescheid
- Bei neuer Schwellung oder Rötung umgehend vorstellen
Unsere Fuß-Experten
Erfahrene Spezialisten für den Charcot-Fuß und rekonstruktive Fußchirurgie